Tag 0: Eröffnung

Auch nach 102 Jahren Olympischer Winterspiele erlebt man immer noch etwas Neues: Statt einer Eröffnungsfeier finden wegen der räumlichen Ausdehnung dieser Winterspiele parallel gleich vier statt - an den beiden namensgebenden Schauplätzen Mailand und Cortina sowie in Livigno und Predazzo, und das olympische Feuer wird schließlich von drei italienischen Alpin-Ski-Helden der Vergangenheit - Alberto Tomba und Deborah Compagnoni in Mailand - und der Gegenwart - Sofia Goggia in Cortina - entzündet. Die Feuerschale ist kugelförmig und erinnert an Leonardo da Vincis Knotengeflechte.

Mattarella eröffnete die Spiele
Zuvor hat Italiens Präsident Sergio Mattarella im San-Siro-Stadion die XXV. Winterspiele offiziell eröffnet. Die neue IOC-Präsidentin Kirsty Coventry verzichtet in ihrer ersten Eröffnungsrede nach der Wahl im März 2025 auf politische Äußerungen zur komplizierten Weltlage. Statt dessen wendet sich die ehemalige Athletin und zweimalige Schwimm-Olympiasiegerin an ihre "fellow Olympians", die heute ihren olympischen Traum verfolgen, vergisst aber auch nicht die Sponsoren und Medienpartner zu erwähnen, welche die Chose am laufen halten.

Der Einmarsch der Teilnehmer aus 92 NOKs parallel an vier Orten ist von den Organisatoren perfekt orchestriert; für die Fernseh-Zuschauer aus aller Welt entsteht eine Veranstaltung wie aus einem Guss. Zuschauer vor Ort mögen das anders gesehen haben, wenn hinter dem Namensschild eines Landes nur ein Häuflein Menschen oder auch gar niemand erscheint. Nicht jedes NOK bringt eben so viel Personal mit wie die in Ponchos und Fischerhüten gewandeten Deutschen, für die NHL-Star Leon Draisaitl in Mailand und Skispringerin Katharina Schmid in Predazzo die Fahnen tragen, oder wie die USA, die sogar mit 232 Athleten angereist sind.

Harmonie und Buhrufe
"Armonia" ist das Leitmotiv der Eröffnungs-Show im San-Siro-Stadion, die der erfahrene Produzent Marco Balich, dessen Lebenslauf schon 16 olympische Zeremonien aufweist, ersonnen hat. Da wird gesungen (Mariah Carey, Laura Pausini oder Andrea Bocelli), rund 1.200 Mitwirkende spielen und tanzen, in einem Video-Clip fährt der beliebte Präsident Mattarella mit der alten Tram durch Mailand und die südafrikanische Schauspielerin Charlize Theron spricht als UN-Botschafterin einen Friedens-Appell mit den Worten Nelson Mandelas.

Nur einmal brechen laute Pfiffe und Buhrufe aus, als US-Vizepräsident J.D. Vance auf dem Stadion-Schirm erschien. Zuvor hat es in Mailand Proteste gegen die Anwesenheit von Beamten der US-Einwanderungsbehörde ICE gegeben. Auch das israelische Team erntet Buhrufe. Gefeiert werden dagegen die Delegationen von Venezuela und der Ukraine. Ganz ohne Politik geht es eben nicht - oder wie Willi Daume einst sagte: Olympia ist keine Insel der Seeligen.